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Heidi
Kunstorchester Kwaggawerk
Menetekel
Bauernkrieg 1653
Der Wiedergänger
Hörsehbar
Barbara Jäggi, Objekte
Reto Stadelmann, Komposition
Installation in Dolby Surround
musikFabrik, Landesensemble NRW
Stanser Musiktage / Nidwaldner Museum
20. - 26. April 2009


Fotos © Nidwaldner Museum

Stanser Findlinge, von Luzern und Köln hergetragen:

«Liebe Besucherinnen und Besucher,
Schön, dass Sie hergefunden haben. Barbara Jäggis Findlinge, von Reto Stadelmann beschallt, sind hier vor dem Nidwaldner Kulturamt und der Museumsverwaltung für diese Woche zum Stillstand gekommen. Sie können sich auf Zeit auf ihnen niederlassen und dann weiterziehen, zu anderen musikalischen oder kulinarischen Funden an den Stanser Musiktagen. Das macht den Unterschied - Findlinge finden nicht, wie der Name suggerieren könnte, sie werden gefunden. Gefunden haben Stanser Musiktage und Nidwaldner Museum Barbara Jäggi, die Schöpferin der Findlinge, welche wiederum Reto Stadelmann fand, den Komponisten der wandernden Klänge, des tönenden Innenlebens der Objekte. Jäggi und Stadelmann verstanden sich, Objekte und Klänge vereinigten sich, Kunst und Musik fanden ein weiteres Mal zueinander, wie es in der Zusammenarbeit zwischen Musiktagen und Museum seit einigen Jahren Brauch und Sitte ist.

Barbara Jäggi, Eisenplastikerin, Absolventin der Schule für Gestaltung in Luzern bei Anton Egloff, Anerkennungspreisträgerin der Stadt Luzern, begehrte Kunst und Bau-Gestalterin, Bühnenbildnerin für mehrere Theaterprojekte von Louis Naef, Vorstandsmitglied der Kunstgesellschaft Luzern. Sie hat schon verschiedentlich mit Musikern zusammengearbeitet, so für das Forum Neue Musik Luzern und für das Schweizerische Tonkünstlerfest in Zürich. So gesehen und gehört drängte sich Barbara Jäggis Engagement für die Stanser Musiktage richtiggehend auf.

Reto Stadelmann, Komponist, ausgebildet an der Musikhochschule Luzern, in London, Manchester und York, Schüler des Komponisten York Höller an der Hochschule für Musik in Köln, Empfänger eines Werkbeitrags von Stadt und Kanton Luzern, Musik für Louis Naefs Theaterprozession Menetekel in Hergiswald, Organisator interdisziplinärer Kulturspektakel - keine Frage, dass Reto Stadelmann an die Stanser Musiktage gehört.

Barbara Jäggi wählte als Baumaterial für ihre Findlinge Sperrholz, getreu dem Motto: Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Sperrholz nicht. Der Wahrig, das Deutsche Wörterbuch, bringt es an den Tag: "Sperrholz; Holz aus mehreren übereinander geleimten Platten, die sich in der Faserrichtung kreuzen, wodurch das Sichverziehen "gesperrt" wird". Mit wenig Masse und geringem Gewicht wird so eine erstaunliche Stabilität und Tragfähigkeit erreicht. Technische Grenzen in der Verarbeitung führen zu formaler Verdichtung und lassen die Findlingslandschaft als aus einem Guss - oder eher aus einem Schub - erscheinen. Die imaginäre Reise auf dem Gletscherrücken an der Flanke des Stanserhorns entlang und der vorübergehende Stillstand beim Friedhof unter den Fittichen des Museums laden die Findlingsfunde mit Geschichte und Geschichten auf.

Die Komposition von Reto Stadelmann nimmt diese Zeitreise auf und verbindet Rückschau und Gegenwart. Holz bleibt das Thema, hier als Material von Chatschatur Kanajans Violine und Dirk Wiethegers Violoncello. Die beiden Mitglieder des Landesensembles musikFabrik NRW sind die Interpreten der von Stadelmann eigens geschaffenen Komposition von acht Minuten Dauer. Sie wurde innert zwei Tagen aufgenommen, während weiterer zwei Tagen gemixt und wird in Dolby Surround abgespielt. Dieses System lässt die Klänge schweifen, macht Ihnen Musik unter dem Hintern und belebt entschwundene Regionen und Kulturen. Sie lässt die Findlingslandschaft zur Bar, zur Lounge, zum Konzertlokal werden.

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude in der Hörsehbar. Finden Sie während der kommenden Woche immer wieder den Weg hierher zurück und lassen Sie sich vom Museumspersonal als Barkeeper verwöhnen. Adoptieren Sie Bar-bar-a Jäggis Findlingskinder. Ergeben Sie sich Reto Stadelmanns Klang-aus-schweifungen. Den beiden Artisten und Nathalie Unternährer, der Leiterin des Nidwaldner Museums, gilt der Dank der Stanser Musiktage für die unkomplizierte und produktive Zusammenarbeit.»

Urs Sibler, Kurator / Leiter des Museums Bruder Klaus Sachseln