Für Kammerensemble
Dauer: 19'
Kompositionsauftrag der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM), Ortsgruppe Zentralschweiz
Zwischen Naturjodel und Musikelite
«Morgen Samstag, 9. Januar, gastiert ein Zentralschweizer Ensemble der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) im Entlebucherhaus in Schüpfheim. Die Profimusiker führen unter anderem das Stück "Nahen" von Reto Stadelmann, ursprünglich aus Escholzmatt erstmals auf.
Entlebucher Anzeiger: "Neue Musik" - das tönt schwierig, vergeistigt, abschreckend. Wie klingt ihr neues Stück "Nahen"?
Reto Stadelmann: "Nahen" besitzt einige volkstümliche Elemente. Im zweiten Satz etwa tritt aus einem Klangcluster ein Naturjodel heraus, wodurch ein Konkurrenzverhalten von zeitgenössischen Klängen und dem Naturjutz entsteht. In "Nahen" möchte ich eine eigene zeitgenössische alpenländische Tonsprache entwickeln.
Entlebucher Anzeiger: Aber das Thema vom morgigen Konzert ist ja "Britische Musik"...
Reto Stadelmann: Ich wurde von der IGNM angefragt, ein Werk mit einem konkreten Bezug zu Benjamin Britten zu schreiben. Der Komponist gilt als urtypisch britisch. Er selber hat sich aber nie darum gekümmert, was andere über ihn und seine Musik denken. Genau das wurde zu meiner Inspiration. Ich wollte meine eigene spannende Herkunft nicht mehr länger ausklammern.
Entlebucher Anzeiger: Haben Sie die denn ausgeklammert?
Reto Stadelmann: Ich musste mich teilweise fast dafür entschuldigen, dass ich aus einer Jodlerdynastie stamme. Viele Musiker machen einen Unterschied zwischen "ernsthafter Musik" und "Unterhaltungsmusik". Ich stehe zur Neuen Musik, aber ich teile dieses Schienendenken nicht. Ich will das Potenzial meiner Herkunft endlich nutzen.
Entlebucher Anzeiger: Insofern ist der Titel des Stücks also auch symbolisch gemeint?
Reto Stadelmann: Ja. Das Stück ist ein Annähern an meine Wurzeln. Ein langsames Heimkommen nach all den Wanderjahren, in denen ich auch eine andere Palette kennengelernt habe. Nun ist es an mir, etwas daraus zu machen. Ich kann mir sogar vorstellen, auch physisch in die Schweiz zurück zu kommen. Aber: immer schön langsam.
Entlebucher Anzeiger: Wie klingt Reto Stadelmanns Musik in Zukunft?
Reto Stadelmann: Rücksichtslos inbezug auf das musikwissenschaftliche Dasein. Ich vollziehe keinen Stilwechsel, aber ich möchte die beiden Seiten zusammenführen: Das Volkstümliche aus meinem Tal und das Elitäre, das ich durch meine Ausbildung erfahren habe.»
Interview Marina Felder, Entlebucher Anzeiger (8. Januar 2010)
Dauer: 19'
Kompositionsauftrag der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM), Ortsgruppe Zentralschweiz
Zwischen Naturjodel und Musikelite
«Morgen Samstag, 9. Januar, gastiert ein Zentralschweizer Ensemble der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) im Entlebucherhaus in Schüpfheim. Die Profimusiker führen unter anderem das Stück "Nahen" von Reto Stadelmann, ursprünglich aus Escholzmatt erstmals auf.
Entlebucher Anzeiger: "Neue Musik" - das tönt schwierig, vergeistigt, abschreckend. Wie klingt ihr neues Stück "Nahen"?
Reto Stadelmann: "Nahen" besitzt einige volkstümliche Elemente. Im zweiten Satz etwa tritt aus einem Klangcluster ein Naturjodel heraus, wodurch ein Konkurrenzverhalten von zeitgenössischen Klängen und dem Naturjutz entsteht. In "Nahen" möchte ich eine eigene zeitgenössische alpenländische Tonsprache entwickeln.
Entlebucher Anzeiger: Aber das Thema vom morgigen Konzert ist ja "Britische Musik"...
Reto Stadelmann: Ich wurde von der IGNM angefragt, ein Werk mit einem konkreten Bezug zu Benjamin Britten zu schreiben. Der Komponist gilt als urtypisch britisch. Er selber hat sich aber nie darum gekümmert, was andere über ihn und seine Musik denken. Genau das wurde zu meiner Inspiration. Ich wollte meine eigene spannende Herkunft nicht mehr länger ausklammern.
Entlebucher Anzeiger: Haben Sie die denn ausgeklammert?
Reto Stadelmann: Ich musste mich teilweise fast dafür entschuldigen, dass ich aus einer Jodlerdynastie stamme. Viele Musiker machen einen Unterschied zwischen "ernsthafter Musik" und "Unterhaltungsmusik". Ich stehe zur Neuen Musik, aber ich teile dieses Schienendenken nicht. Ich will das Potenzial meiner Herkunft endlich nutzen.
Entlebucher Anzeiger: Insofern ist der Titel des Stücks also auch symbolisch gemeint?
Reto Stadelmann: Ja. Das Stück ist ein Annähern an meine Wurzeln. Ein langsames Heimkommen nach all den Wanderjahren, in denen ich auch eine andere Palette kennengelernt habe. Nun ist es an mir, etwas daraus zu machen. Ich kann mir sogar vorstellen, auch physisch in die Schweiz zurück zu kommen. Aber: immer schön langsam.
Entlebucher Anzeiger: Wie klingt Reto Stadelmanns Musik in Zukunft?
Reto Stadelmann: Rücksichtslos inbezug auf das musikwissenschaftliche Dasein. Ich vollziehe keinen Stilwechsel, aber ich möchte die beiden Seiten zusammenführen: Das Volkstümliche aus meinem Tal und das Elitäre, das ich durch meine Ausbildung erfahren habe.»
Interview Marina Felder, Entlebucher Anzeiger (8. Januar 2010)